tz.de im Artikel „Energiewende-Paradox erklärt: Mehr Windkraft erzeugt nicht mehr Strom“ v. 17.12.2025 veröffentlicht ein Interview mit Prof. Sigismund Kobe von der TU Dresden. Nachfolgend einige Ausschnitte:
„Deutschland baut massiv Wind- und Solaranlagen aus – doch die tatsächlich erzeugte Strommenge stagniert. (…) Doch ein genauer Blick auf die tatsächlichen Erträge offenbart ein Paradox. Laut Analysen von Prof. Sigismund Kobe von der TU Dresden stagnieren die Jahreserträge der Windkraft trotz massivem Ausbau – bei Offshore-Windkraft gehen sie sogar zurück. (…) Die Ursache für den Offshore-Rückgang liegt laut Prof. Kobe in einem physikalischen Phänomen, das in der Planung unterschätzt wurde: dem sogenannten Cluster-Wake-Effekt. Windkraftanlagen und ganze Windparks schotten sich gegenseitig ab – die vorderen Anlagen nehmen den nachfolgenden den Wind weg. Mit anderen Worten: Was in der Theorie funktionieren sollte, scheitert an den Gesetzen der Strömungsmechanik. (…)
Anzumerken ist, dass die Diskrepanz zwischen installierter Leistung und tatsächlichem Ertrag zwar multiple Ursachen hat – physikalische wie systemische. Es ist aber richtig, dass mehr Windräder nicht automatisch mehr nutzbaren Strom bedeuten, wenn das Gesamtsystem aus Netz, Speichern und Flexibilitätsoptionen nicht entsprechend mitwächst. (…)
Besonders kritisch sieht Prof. Kobe die öffentliche Darstellung der Energiewende-Erfolge. Der oft zitierte Anteil erneuerbarer Energien von fast 60 Prozent am Strommix erweckt den Eindruck großer Fortschritte. Doch diese Zahl sei irreführend. (…) Die Hauptursache sieht Prof. Kobe in der Deindustrialisierung. Während der Eigenverbrauch durch PV-Heimanlagen und Balkonkraftwerke nur marginal zur Erklärung beiträgt, verlässt energieintensive Industrie das Land oder drosselt ihre Produktion massiv. Der Prozentsatz erneuerbarer Energien steigt also nicht primär, weil mehr grüner Strom produziert wird, sondern weil der Gesamtverbrauch sinkt.“
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